RRRING RRING, STEVE AOKI ON THE PHONE! Das Multitalent und Label-Chef im Exklusiv-Interview mit ANNIE

Steve Aoki - mit Punk-Wurzeln

Steve Aoki ist DJ, Labelbesitzer, Designer, Produzent, Talententdecker und macht seine eigenen Partys, die nicht nur in L.A. ihren einschlägigen Ruf genießen. Das alles hat der mittlerweile 33-Jährige nicht nur einem gut ausgebauten Künstlernetz zu verdanken, das er selbst erschaffen hat. Gruppen wie Bloc Party, Klaxons und Bloody Betroots performten in seinem kleinen Wohnzimmer bevor der Weltruhm winkte. Was also macht den in Miami geborenen Amerikaner mit japanischen Wurzeln in seiner Erfolgsgeschichte so einzigartig? Der Sohn eines ehemaligen japanischen Wrestlers, der wenig später die Restaurantkette “Benihana” ins Leben ruft, weiß schon früh, wie und in welcher Form Musik an den Mann gebracht werden soll. Frisch auf dem College schiebt er seine Bücher zur Seite und macht Platz für sämtliche dieser Künstler, die auch Jahre später noch mit Intelligenz im Fortschritt und musikalischer Eigennote durch die Charts wandeln sollen. Was nicht heißt, dass die Bücher dort nach Session-Ende liegen blieben: Aoki hat gleich zwei Bachelor-Abschlüsse mit Auszeichnung. Fast scheint das Aoki’sche Wohnzimmer ein Prüfstand für die jungen Künstler, wer es schafft der Zuhörerschaft mit Punk- und Hardcorebackground einzuheizen, schafft es später auch auf den Festival- und Clubbühnen dieser Welt. Diese Musik, die schwindelig macht, verkauft er über Mixtapes und Mundpropaganda. In dieser Zeit entwickelt er auch seine reißerischen DJ-Qualitäten, die ihm bis heute ermöglichen die exklusivsten und teuersten Sets auf der ganzen Welt zu spielen. Aber ein DJ-Dasein, das neben einer frühen Laufbahn in immer wieder abwechselnden Bands entsteht, reicht dem Multitalent nicht. Mit Anfang 20 gründet er das Szene-Label DIM MAK Records, das mittlerweile Acts wie Bloody Betroots oder Masterkraft mit kreativer und finanzieller Muttermilch füttert. Von der kleinen Musikmacherei zum Weltlabel, DIM MAK Records, namentlich an die Kampfkunst des Übergroßen Bruce Lee angelehnt, kettet mittlerweile auch in Europa die ganz großen Fangruppen an sich. Nicht zuletzt scheint die unerschöpfliche Kreativität den Boden für die ehrgeizige Pflanze Aoki darzustellen, die ihn letztendlich zum Entschluss bringt, über eine eigene Kleidungslinie ebenfalls verfügen zu wollen. Seit 2006 kooperiert er mit seiner berühmten Schwester, dem Model und Schauspielerin Devon Aoki. Der Textilzweig DIM MAK schüttelt seine erfolgreichen Früchte mittlerweile nicht mehr nur online, sondern auch in ausgewählten Stores weltweit ab. Nah am Mann sozusagen, etwas anderes traut man Steve Aoki auch nicht zu. Hört man ihm zu und der Art wie er seine Freunde und deren Projekte bis zur Unkenntlichkeit promotet, kann man sich ihn auch von den Plattentellern wegdenken. Ins Setting eines schönen Familienessens vielleicht, bei der man ein bisschen über Musik redet, aber nur manchmal. Wenn die anderen es wollen. Ein bisschen müde klingt er, bei seinem Lebensstil nicht ungewöhnlich. Aber die Leidenschaft verschwindet in seinen Worten niemals. Klug drückt er sich aus, akademisch zum Teil. Wie jemand der seinem Business vom Start bis zum heutigen Tag beim Wachsen zugesehen hat und weiß, was er da so erzählt. Steve Aoki ist einer dieser Menschen, die schon früh mit der Intelligenz gesegnet waren, ein funktionales Netz aus Vertrauten, Künstlern und Geschäftspartnern um sich zu spinnen. Seine künstlerisches Ausnahmetalent, das ihm erlaubt dieses auch bei anderen zu entdecken, wirkt neben all dem beinahe frech. ANNIETHANG sprach mit ihm über das Business, seine neuen Projekte und was er Ungewöhnliches mit Kumpel Diplo vorhat.

Hey Steve! Du bist DJ, Produzent, Labelchef und Designer. DIM MAK RECORDS hast du in deinen frühen Zwanzigern gegründet. Wie war diese frühere Version von dir? Was war dein Antrieb, DIM MAK in deinem Maße voranzutreiben?

DIM MAK war damals wie ein Hobby für mich. Es war eine Erweiterung der Umwelt, in der ich aufwuchs und in der ich mich befand. Ich war ein Punk Rock-Kind, ein Hardcore-Fan der sich in dieser Szene bewegte und viele Freunde darin hatte. Es ging alles um die Gemeinschaft, um dieses Teilnehmen, was typisch für diese Szene ist. Irgendwann startete ich ein Fanzine, also ein „Fan-Magazin“, das all diesen Bands gewidmet war, die ich bewunderte und die eben dieser Szene entstammten. Ich rannte also zum nächsten Kopierladen und verkaufte die Duplikate meinen Freunden. Mit 16 lernte ich auch all die Instrumente, die ich spielen kann, ich war immer ein Teil irgendeiner Band, zu der damaligen Zeit auch schon Dann ging ich auf das College und das prägte mich in den Jahren von 17 bis 19. Ich fing an, kleine Punkrock Shows in meinem Wohnzimmer zu spielen, mit Bands wie Bloody Beetroots oder Bloc Party. DIM MAK nahm diesen Stil auf und entwickelte ihn weiter und erweiterte ihn sozusagen.

Dein musikalischer Hintergrund ist Punk und Hardcore, du nennst die japanische Band ENVY als eine deiner Lieblingsbands. Was sind die anderen Inspirationen, die sich in deiner Musik widerspiegeln?

Hauptsächlich alle Aspekte der Musik, das Entdecken und Signen von Gruppen, das Musikmachen. All das steht in einer Beziehung und sozusagen in einem Wirkungskreis, in dem der eine Teil meiner Arbeit einen anderen inspiriert.

Gibt es Einflüsse aus Europa?

Tonnenweise! In den Sommermonaten bin ich in Eurpoa, von Juni bis September war ich in Hamburg, Berlin und Köln. Es war super, ich liebe es im Sommer in Deutschland zu sein. Da gibt es so viele Einflüsse, ich als DJ produziere „Tanzmusik“ und da inspirieren mich Produzenten wie Boys Noize.

Würdest du DIMMAK an ein Major Label verkaufen?

Ich habe das schon so in einer Art getan..2008 haben wir einen Deal mit Downtown gemacht, ein ‚Joint Venture. Sie finanzierten DIMMAK und damit Künstler wie Bloody Beetroots und Masterkraft. Wir betreiben DIMMAK jetzt seit 14 Jahren. Wenn es dem Label hilft und uns weiterbringt, akzeptiere ich Hilfe vom Major Label, weil wir einen authentischen Sound machen wollen und die Künstler so gut wie möglich präsentieren wollen, schließlich machen wir ein „Nischending“, das nur einen bestimmten Teil von Menschen anspricht. Deshalb ist DIMMAK immer noch independent. Wir haben bis heute 190 Tracks und Alben veröffentlicht und 14 Jahre überlebt. Die Leute vom Major Label können nicht ändern, was wir tun oder wie wir es tun und wir haben immer die Kontrolle über alles.

Du bist Künstler, aber auch Geschäftsmann, vor allem wenn wir deine Klamottenlinie DIMMAK betrachten, die ja nach eigenen Aussagen „mehr das Business für dich darstellt, als das Musiklabel“. Woher kommen diese geschäftstüchtigen Attitüden? Hat dein Vater einen Einfluss auf dich, Ex-Wrestler und Gründer der Restaurantkette Benihana?

Da hast du Recht, mein Vater ist der größte Einfluss. Er hat uns Kinder immer angespornt, unser Ding zu machen und ich war schon als kleines Kind ein Geschäftsmann. Ich habe schon immer kleine Dinge verkauft, was unser Vater jedoch nie tat, war, in uns Kinder zu investieren. Er wollte, dass wir Dinge aus dem Nichts schaffen. Wir hatten also mit schlechten Startbedingungen zu kämpfen und bissen uns trotzdem durch.

Die DIMMAK- Bekleidungslinie ist draußen seit 2006. Gibt es da eine bestimmte Vorstellung von dem typischen Rezipienten der Marke in deinem Kopf?

Ich denke, der Käufer kann sich mit den Bands identifizieren, kennt Bloody Beetroots und andere Künstler die auf DIMMAK vertreten sind. Wir verkaufen online, aber auch in mittlerweile 95 Geschäften weltweit. Ich denke, das alles verändert sich langsam zu einer modernen Mode-Demographie.

Noch einmal zurück zu den Dingen, die dich und deine Kreativität aktivieren: Was sind die Inspirationen für die DIM MAK Klamottenlinie?

Da ändert sich ständig. Meine engsten Freunde sind der größte Eiuss wie zB Cobra Snake. Er hat eine kleine Damenlinie, mit Sweatshirts und kleinen Shorts. Sein Marketing und seine Promotion inspirieren mich wahnsinnig und lehren mich. Genauso wie Jeremy Scott, er buchte meine Schwester (Devon Aoki, Anm. d. Red.) für ihre erste Fashionshow, er ist unglaublich. Er hatte diese kleine Linie und baute sie mit diesem intelligenten Marketing aus. Meine Schwester würde ich außerdem ebenfalls als einen meiner größten Einflüsse bezeichnen. 2011 wollen meine Schwester und ich das Angebot der DIM MAK-Linie mit den richtigen Partnern erweitern. Bis jetzt haben wir das Geschäft mit zwei anderen Leuten gemacht, aber wir haben die Zusammenarbeit beendet und wollen andere, neue Geschäftspartner. Man muss kreativ sein, aber auch schlau in der Art und Weise, wie man sein Geschäft betreibt und voranbringt. (lacht)

Du hast mit Leuten wie Snoop Dogg, Will.I.Am und zahllosen anderen Künstlern gearbeitet. Gibt es da noch andere Kooperationen auf deiner Wunschliste?

Ja, natürlich. Ich beende gerade die Arbeit zu meinem neuen Album, das nächstes Jahr erscheinen wird. Es wird ausschließlich Features beinhalten, wie zum Beispiel Tracks mit Lil Jon, Cuomo von Weezer, Kele von Bloc Party, Sky Ferrera, Kid Cudi und Travis Barker. Es ist fast fertig, ein paar Wochen werden wir noch daran zu arbeiten haben. Außerdem will ich Diplo dazu bringen, dass er auf meiner Platte rappt. (lacht)

Was sind die heißesten News der Künstler von DIMMAK? Wir sind gespannt!

Wir haben Atari Teenage Riot aus Deutschland unter Vertrag genommen, die Vorreiter des Hardcore Sounds sozusagen, sie sind schon über 20 Jahre dabei, die Single kam letzten Mittwoch raus. Wir haben Fisher Spooner unter Vertrag genommen und außerdem noch Rob Roy. Rob Roy kann singen wie D’Angelo und rappen wie André 3000. Zudem kam mein Album mit Armand van Helden raus. Außerdem arbeiten wir am zweiten Album von Bloody Beetroits. Und meine Single mit Lil Jon wird bald erscheinen und außerdem eine Single mit einem schwedischen Produzenten. Diesen Monat noch, yeah!

Danke Steve!

Steve Aoki, die Stimme für junge Gründer - "Du musst intelligent in der Art sein, wie du dein Business handhabst"

Zum Teilen hier auf das F klicken!